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Coburg Der Herr der Masken

Gibt es einen Künstler, der sein Schaffen dem menschlichen Kopf, dem Gesicht und dem Gesicht als Maske verschrieben hat, dann ist es der Surrealist Salvatore Mainardi. Was treibt den Plastiker, Maler, Performer an, sich über lange Zeit intensiv mit dieser komplexen Thematik auseinander zu setzen? Er abstrahiert den Menschen auf sein Gesicht und studiert es nicht als individuelle Ausprägung eines Einzelnen, vielmehr interessiert Mainardi der Mensch als Typus, den er symbolisch als Kopf darstellt. Die Köpfe in seinen meist grossformatigen Bildern, die Köpfe als Skulpturen, die Köpfe seiner Installationen gleichen einander alle. Keiner ist verschieden vom anderen, lediglich die Oberfläche ist individuell und einzigartig gestaltet, sei es, dass die Folie der Maske transparent, goldglänzend oder farbig eingefärbt ist, dass der Ton- oder Betonkopf lasiert, mit Farbe und Muster bearbeitet, mit Leder oder Samt überzogen oder mit Mosaik, Steinchen oder Spiegelfragmenten besetzt ist oder dass der gemalte Kopf in der Bildcollage die Hintergrundfarben des Bildes übernimmt.
Mainardi interessiert, was den Menschen als Menschen ausmacht, den Menschen, den er aus der Zweidimensionalität befreit, über die Collage und das Relief zur Skulptur und zur Installation weiterentwickelt, ohne die Gleichheit aufzuheben. Dieser immer gleiche Mensch, der Nenner, das Wesen des Menschen, sichtbar gemacht mit seinem Kopf, mit seinem Gesicht, das auch Maske sein kann, das in nichts von seiner Maske abweicht, dieser Mensch wird in seine Umgebung eingemalt oder in seine Umgebung hineingestellt, in eine Umgebung, die passend oder unpassend ist.
Damit ist das Unwirkliche und Traumhafte des Menschen in seiner Umgebung und der durch die menschliche Logik begrenzte Erfahrungsbereich durch das phantastische und Absurde eines einheitlichen Menschen erweitert. Mainardi will geheime Ängste und Hoffnungen, das Wesen des Menschen betreffend, aus der Tiefe der menschlichen Psyche locken, indem er dieses Innerste, Wichtigste, den menschlichen Kern gleichsetzt mit der Maske. Sein Mensch kann sich nicht verbergen hinter seiner Maske, er ist seine Maske, die sich ihrer Dekoration anpasst und mit Hut und Bart zum Don Quijote tendiert, in ägyptischem Kontext zu Tutanchamun wird, ohne sich selbst zu variieren.
Das Nicht-Fassbare in den Tiefen des psychischen Unbewussten, das Irrationale der Gleichheit des Menschen, der sich nur durch seine Umgebung unterscheidet, regt zum Nachdenken an. Der Künstler sucht mit uns, den Betrachterinnen und Betrachtern seiner feurigen Performance im Schlosshof und seiner Ausstellungen im Riesensaal und im Hofgarten eine Antwort auf die alte Frage: Wer bin ich? Wer bin ich als Mensch? Eine Frage, die noch viele Köpfe und Masken verschlingen wird, bevor wir der Antwort einen Schritt näher kommen.
Juli 09 / Dr. Andrea Fischbacher / Oetwil a.d.L.

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